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Der schnelle Tod am roten Metall - Rheinischer Merkur / Dez. 2009

Mediziner haben entdeckt: Türklinken aus Kupfer dämmen gefährliche Krankenhauskeime ein


Weich, formbar, zäh. Das sind die wichtigsten Eigenschaften des rötlich schimmernden Kupfers. Doch da ist noch was: Kupfer wirkt antibakteriell. An einer Hamburger Klinik hat man nun erforscht, wie der als Krankenhauskeim bekannte MRSA-Erreger auf das Metall reagiert. MRSA steht für Methicillinresistenter Staphylococcus aureus. Hintergrund ist die weltweit dramatische Zunahme von Resistenzen gegen Standardmedikamente, erklärt Jörn Braun, Chefarzt der Medizinischen Abteilung der Asklepios Klinik in Wandsbek. Die Hamburger sind einer von 6 Partnern in einem weltweiten Forschungsverbund gegen MRSA und andere Keime. Die Mediziner ersetzten in einer Abteilung alle Türklinken, Lichtschalter und Wasserhähne aus Edelstahl durch Kupferarmaturen. „Wir wollten neue Wege gehen. Dabei ist unser Blick auf die Türklinke geraten“, sagt Braun. Denn die Armatur wird täglich 100-fach angefasst. Und das nicht nur vom Klinikpersonal, auch Patienten und Besucher gehen ein und aus und hinterlassen Erreger.

Überraschendes Ergebnis des Kliniktests: Auf Kupfer überlebten die Mikroben nur wenige Minuten bis 2 Stunden, während sie auf Edelstahl bis zu 3 Tage durchhielten. „Wissenschaftliche Untersuchungen von mehreren unabhängigen Arbeitsgruppen zeigen zweifelsfrei, dass Kupferoberflächen effizient Bakterien und andere Keime abtöten können“, erklärt Dietrich Nies, Direktor des Instituts für Biologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Umso besser, denn die gefährlichen Klinikmikroben sind ein ernstes Problem. So warnte Ende April die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene, dass Klinik-Infektionen die größte Bedrohung darstellen noch vor pandemischen Grippeerkrankungen und HIV-Infektionen. Freilich: Nicht überall ist der tödliche Erreger auf dem Vormarsch. Niederländische Spitäler etwa haben eine 20-mal geringere Ansteckungsrate als deutsche. Unsere Nachbarn sind nicht nur zögerlicher im Verabreichen von Antibiotika, sie scheinen auch penibler auf Hygiene zu achten.  Spezielle Kupferlegierungen, die man zum Teil erst seit rund 10 Jahren kennt, könnten nun durchaus helfen, die Keime zu bekämpfen. „Die Menschheit hat jahrtausendelange positive Erfahrung mit der hygienischen Wirkung von Kupfer“, bekräftigt Anton Klassert vom Deutschen Kupferinstitut. Allerdings müssen die Mediziner da noch viel lernen. Kugelschreiber in der Brusttasche zum Beispiel – für Ärzte künftig tabu.


Der Beitrag erschien am 6. Dezember 2009 in: Rheinischer Merkur

© 2008 Daniel Hautmann